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Lyrik > Gesellschaftskritisches

Versuch der Frage nach dem Glück im Tod

von Carlo Ihde >>

Spärrliches Geschick nennst du Glück,
glücklos das Genick gebrochen,
beglückwünscht wurdest du: für
solch reibungslose Brüche brauchts
mehr als Sinn und Verstand für Form und Gestalt.
Gehaltvoller Tod im Bruch mit dem
Alten, toller Tod auf Asphalt im
kalten Januar, der gebrochene
Mensch glitzert verhalten am Rand
der Straße in Froststarre, glückwunsch:
so beobachtet stirbt keiner, von deinen
dir in den Händen Verstorbenen
starb keiner so stark, weil du
alle sie deutetest, keiner starb frei
weil du sie fixiert hast mit deinen Augen,
keiner hat Glück gehabt so
wie du steife Gestalt am Straßenrand
im Januar. Keiner starb kalt.
Alle starben an der dicken, zäh-
flüssigen Überbehütung durch
glückliche Günstlinge, die die Schlinge
anderen umlegten und selbst den
Kopf an der klaren Luft
blessurenfrei, beglückwünscht
in den eigenen Tod trugen.
Wo war das Glück bei
den Toden der Anderen?

25. Januar 2007
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