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Und wurd‘ ich, nun Mutter, in Biesdorf geboren.
Doch ist es im Grunde, mein Engel, nicht leicht.
Denn hast du ein‘ Dichter, oh Mutter, erzogen.
Den ruhig die Sehnsucht nach Straße beschleicht.
So geht es mir gar nicht um Gelder und Scheine.
Und ist mir das Hungern aus Kummer bekannt.
Und lauf‘ ich nach Hause. Mal wieder alleine.
Mich haben die Träume, mal wieder, verbrannt.
Und wurd‘ ich, nun Mutter, in Biesdorf geboren.
Vertrauter wird langsam im Herzen der Stich.
Ich hab‘ dir die Hochschul‘ und Abi versprochen.
Und Lehre? Verzeih‘ mir, das bin wohl nicht ich…
So träum‘ ich von Freiheit, alleine von Bühnen.
Und geht das seit Jahren, seit dreien schon so.
Erzähl‘ ich nicht gerne von meinen Gefühlen.
Ich stehe im Leben. Doch weiß ich nicht wo…
So riechen die Zimmer nach Minze und Ambra.
Ertränk‘ ich mich wieder in meinem Parfüm.
Ich wünschte, ich wäre wie Eddin und Samra...
Denn Künste sind etwas, was immer ich rühm‘.
Und hab‘ ich die Liebe aus Wahrheit belogen.
Die Wahrheit gebrochen und bisschen getauscht.
Und hab‘ ich die Wahrheit, wie immer, verbogen.
Denn bin ich durch Sorgen mal wieder berauscht.
Und wurd‘ ich, nun Mutter, in Biesdorf geboren.
Ich hoffe, ich finde die Seele gleich schon…
Mitnichten… Ich hab‘ sie wie meiner verloren.
Verstand‘ ich nie Tränen. Beweinst du den Sohn…
27.01.2026
Berlin Gropiusstadt / Neukölln
(c) Marc Donis
27. Januar 2026 |
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