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Lyrik > Alltag

Der Strom der Jahre

von Max Vödisch >>

Ein Strom von Jahren trug mich fort,
ich nannte Fleiß und Pflicht mein Licht.
Von Seminar zu neuem Ort –
doch wirklich sah man mich wohl nicht.

Mit Fleiß bestand ich jede Prüfung,
die Zeugnisse – fast wie eine Sucht.
Doch fand ich keine echte Berufung,
Anerkennung nie – nur Flucht.

Die Zeugnisse lagen Blatt für Blatt,
mit Siegel, Stempel, wohl bedacht.
Was ich errang und Wert doch hat,
ward hinterm Rücken nur verlacht.

Ich lernte weiter, spät und früh,
wenn andre längst nach Hause gingen.
Mein Streben schien für manche Müh’ –
zu hoch wohl, sich hinaufzuschwingen.

Mein Eifer war nicht gern gesehen,
zu wach, zu fragend, unbequem.
Man ließ mich still am Rande stehen,
korrekt – doch niemals angenehm.

Ich war stets da, verlässlich, klar,
trug Verantwortung und Pflicht.
Doch wer mein Vorgesetzter war,
der würdigte mein Streben nicht.

Anerkennung fiel auf fremdes Feld,
wie Sonne, die mich stets vermied.
Ich blieb im Hintergrund der Welt,
der Mann, den keiner öffentlich sieht.

Der Strom nahm mir die Lebenszeit,
doch nicht den inneren Bestand.
Was ich gelernt habe, bleibt –
auch ohne Lob aus fremder Hand.

Ich trau’re keiner Stunde nach,
kein Weg war jemals mir zu weit.
Die Abschlüsse, sie halten wach,
vereint mit Menschen jener Zeit.

28. Februar 2026
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