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Im Takt der schnellen Bilder
von Max Vödisch >>
Das Schweigen lässt keinen Raum,
nur Flimmern, das sich selbst vergisst,
ein Strom aus Zeichen, Bild und Schaum,
der unberechenbarer als Denken ist.
Wir standen einst im Raum der Funken,
wo Ahnung leise Formen fand,
heut löscht ein Klick das Halbdunkel –
noch eh es fragend vor uns stand.
Die Bilder eilen uns voraus,
zu schnell für zögerndes Verstehen,
sie treiben jedes Staunen aus,
noch eh Gedanken richtig gehen.
Was früher heimlich sich erschlich,
ein leises Wachsen, kaum benannt,
wird heute laut und augenblicklich
als fertige Gewissheit erkannt.
Die Märchen sind dem Plan gewichen,
ein Algorithmus lenkt den Blick,
die offenen Räume sind verblichen
und geben schnelle Antwort zurück.
Die Stille hat hier keinen Ort,
sie passt nicht mehr ins Zeitformat,
denn jedes Zögern wird sofort
zur Schwäche, die man abgelegt hat.
Und doch – unter der glatten Schicht,
wo alles sichtbar scheint und klar,
arbeitet etwas still im Licht,
das nie vollständig erklärbar war.
Zwischen Wissen, Schein und Sehen
liegt weiter ein verborgener Gang –
den muss ein jeder selbst begehen,
sonst bleibt das Eigene unwissend lebenslang.
24. April 2026 |
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