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Lyrik > Gesellschaftskritisches

Wo die Welt neu beginnt

von Max Vödisch >>

Was wäre, lösten wir die Schranken,
die tief in unsren Geistern kranken?
Kein Drohen mehr, kein kalter Krieg,
nur offener Himmel und weites Glück.

Was wäre, lebten wir im Heute,
befreit von Gier und alter Beute?
Wir teilten Zeit und jeden Raum,
ein jeder trüge diesen Traum.

Kein ferner Staat, kein fremdes Land
trennte uns mit harter Hand.
Kein Ruf zum Kampf, kein heiliger Zorn,
kein Hass, zur Pflicht uns auserkorn.

Der Frieden fände endlich Hände,
er baute Brücken statt der Wände.
Er wüchse Schritt für Schritt heran,
ein stilles Licht, das leuchten kann.

Manch einer nennt dies Fantasie,
ein Bild, das nie zur Erde zieh’.
Doch viele wahren diesen Schein –
der Funke bleibt, geht nicht mehr ein.

Wenn erst Besitz den Griff verlöre,
der unser Herz so oft beschwöre,
gäbe es keinen Hunger, kein „nur ich“,
der Tisch für alle, brüderlich.

Dann wären wir wie Geschwister all,
als Stimmen, Lichter, Hüter überall.
Und niemand bliebe ganz allein,
die Welt dürfte endlich freier sein.

Es klingt zunächst wie ferner Traum,
doch Taten brauchen solchen Raum.
Und wenn du heute noch beginnst,
wächst weiter, was wir beide sind.

21. Januar 2026
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