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Nebel
von Harald (Tom) Gressel >>
Nebel
Sanft wie Watte legt der Nebel sich aufs Land,
vermengt mit dem Grau meiner schweren Gedanken.
Er nimmt meinem Blick, den Weg aus der Hand,
die klaren Horizonte im Dunst versanken.
Die Lider brennen, die Pupille wird weit,
ringsum nur trübe, erahnende Bilder.
Der Schritt wird langsam, die Bewegung gescheit,
mein Tasten im Weiß wird zaghaft und milder.
Ich halte inne in dem feuchten Raum,
vor mir die Wand aus verschleierter Zeit.
Ein Drehen im Kreis, ein verschwommener Traum,
der Schritt nach vorn, zu einem rückwärts bereit.
?
Wie flieh’ ich dem Ort, der mir Wege verstellt,
der Sehnsucht nach Farbe verzweifelt zum Trotz?
Das Kleid liegt klamm wie vom Schicksal gewählt,
kein Vor und Zurück — ein verschlossener Klotz.
Bin ich es, der wollte, was mich nun umfängt,
verlassen von meiner sonst treuen Seele?
Ein Abgrund vor mir, der mich niederdrängt,
und nichts, das mir Halt oder Richtung verhehle.
„Dreh deinen Blick“, spricht eine Stimme klar,
ich wende mich suchend und drehe im Kreise.
Doch nichts verändert sich sichtbar und wahr,
kein Wandel im Außen auf dieser Reise.
„Nicht draußen“, spricht sie, „im Innen beginnt
der Weg, den du suchst – durch Licht und Schatten.
Mit Farben, die leuchten, auch wenn es mal spinnt,
mit Düsterem, das wir im Herzen ermatten.“
?
Ich halte den Atem, das Lid wird leicht,
und Farben erwachen in schwachen Tönen.
Die Wiese wird grün, der Himmel erreicht
sein Blau, Sonnenstrahlen beginnen zu krönen.
Die Blumen duften, die Früchte schwer,
Menschen lachen und weinen daneben.
Sie freuen sich, trauern, doch alles ist mehr —
ist da und ist wahr im pulsierenden Leben.
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