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À la recherche du bonheur - à la gare de Lyon
von Silvia Ittensohn >>
Ich befinde mich in einer fremden Welt aus Etagen, Rolltreppen und Gleisen. Sie tut, als wäre sie ein Wal, der Kleingetier in Unmengen durch seinen hungrigen Schlund strömen lässt. Während Wale sich unter Wasser treffen, um sich das Neueste zu erzählen, gibt der ‚Gare de Lyon‘ nur einen Monolog von sich. In der Unterwasserwelt kreischen, brummen und schnarchen Wale ihren echoartigen Sound. Der Pariser Bahnhof hingegen piepst und zischt sein Lied allein für sich. Sein Rhythmus: das Tak, Tak. Auch er verschlingt seine Gäste, ihr buntes Treiben.
Nur das Grau meines Mantels unterbricht den farbigen Fluss drängender Menschen. Ich gleite und stolpere auf Rollbändern voran, von Halle zu Halle. Vom Parterre bis zum dritten Untergeschoss. S’il vous plaît: Wo ist dieser Schalter? „Aber von hier aus ist es noch sehr weit bis ...“, bekomme ich zu hören. Ich zögere. Ein Ruck und weiter. Aber dieses Tak, Tak. Im Zickzackkurs rollt es lauter und lauter heran.
Das Unheil: ein Passagier mit schwerem Koffer. Sein Zack. Damit kappt er unseren Sozialkontrakt; unser friedliches Miteinander. Er muss das Plakat für ‚Die Ausweitung der Kampfzone‘ gesehen haben. Oh weh! Zu spät ziehen sich meine Füße vor dem Angriff zurück. Meine Zehen, zermalmt von dieser Übermacht.
Mein Gepäck drängelt: Such mir endlich ein Schließfach! Alors, „weiter!“ Koffer bewahren zudem Dinge, die für die Lebenswelt seiner Eigentümer wertvoll sind: elegante Businessanzüge oder doch lieber T-Shirts mit einer verwaschenen Aufschrift „En Loíza vive gente!“. Auch ich schleppe Erinnerungen, Lebensentwürfe in meiner ‚bagage‘ mit. Also weiter. Bis zum Halt. Bis ich überwältigt werde. Vom Klang eines überschwänglichen ‚Vive gente!“. |
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