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Ich denke daran, dass im Wartezimmer keine Todesanzeigen hängen. Obwohl auch sie zu ihrem Alltag gehören. Die Ärztin wirkt leichter, beschwingter. Es muss an meiner Freude liegen – als hätte ich sie angesteckt, beinahe infiziert. Gesundheit ist kein neutraler Befund. Es gibt schwere Gespräche und leichte.
Bevor sie mich verabschiedet, ruft sie: „Warten Sie!“
Beschwingt hält sie mir einen kleinen Plastikbecher hin, fast feierlich.
„Den können Sie mitnehmen. Für den Fall.“
Ein Urinbecher.
Wir lachen.
Die frohe Botschaft lautet: gesund – aber bitte mit Vorsicht.
Ihr Satz bleibt hängen: „In einem guten Zustand.“
Und die stille Übereinkunft zwischen Ärztin und Patientin: Dieser Satz lässt sich nicht immer aussprechen.
Heute schon.
11. Mai 2026 |
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