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Kurzgeschichten > Alltag
Dann folgt der Satz, der mit über siebzig keine Floskel mehr ist:

„Sie sind gesund. In einem guten Zustand.“

Ich atme aus. Lange schon muss ich die Luft angehalten haben. Die Atmosphäre löst sich – bei mir. Vielleicht auch bei ihr?

„Ich bin so dankbar“, sage ich. „In meinem Umfeld höre ich derzeit viele schlechte Diagnosen von Gleichaltrigen. Bis jetzt bin ich verschont geblieben.“

Nun lächelt sie offen. Es wirkt, als erleichtere sie das ebenfalls. Fast beschwingt sagt sie:
„Ja, gute Nachrichten sind fein.“

Mit über siebzig werden sie rarer.

Vielleicht leuchte ich in diesem Moment wie eines der Babys an der Wand – nur mit mehr Falten.

Ich denke daran, dass im Wartezimmer keine Todesanzeigen hängen. Obwohl auch sie zu ihrem Alltag gehören. Die Ärztin wirkt leichter, beschwingter. Es muss an meiner Freude liegen – als hätte ich sie angesteckt, beinahe infiziert. Gesundheit ist kein neutraler Befund. Es gibt schwere Gespräche und leichte.

Bevor sie mich verabschiedet, ruft sie: „Warten Sie!“

Beschwingt hält sie mir einen kleinen Plastikbecher hin, fast feierlich.
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