| Kurzgeschichten > Familie |
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Du warst herzlich, sportlich, offen. Du hattest Pfupf im Füdle. Das muss man so sagen. Du warst nicht eine, die einfach nur herumsass und wartete, bis der Tag vorüber war. Da war Bewegung. Da war Neugier. Bis zum Schluss. Da war diese Bereitschaft, noch irgendwo hinzugehen, noch etwas zu sehen, noch jemanden zu treffen. Noch etwas zu lesen, noch etwas zu erkundschaften. Am Tisch konnten Gespräche stattfinden, die bei Fuchsbauten anfingen, über den einen Apfel aus dem Garten «we de nume drann verworggetisch du Soumore!», weiter über den Bauernkrieg oder C. F. Meyer, und die bei Gott und dem Weltgefüge endeten. Sehr anstrengend.
Weisst du noch, irgendwo nach Chäs u Brot, in einem Bahnhofrestaurant. Ich weiss doch nicht mehr. Die Erinnerungen sind ein wenig ausgefranst an den Rändern. Wir sassen dort, du und ich, nebst ein paar Arbeiter-Chnütteln beim Feierabendbier. Und dann war dort ein Musikautomat. Ich wählte Lieder. Blöderweise war es halt «Je t’aime… moi non plus» von Serge Gainsbourg und Jane Birkin.
Und wie die da gestöhnt haben.
Und wie es uns fast peinlich wurde.
Wir hielten uns an den Gläsern fest und die Stammtischbrüder schauten rüber, als wollten sie wissen, was wohl die Alte mit diesem Jungen wolle. Ja, wir haben lustige Zeiten erlebt. Man müsste es eigentlich noch einmal erzählen können und dich fragen: «Du, weisch no?» Aber fragen kann man nun niemanden mehr. Ich erinnere mich auch an die Sache mit der Lesung. Du konntest nicht teilnehmen und dann hast du gleich den Öttu vom Tscharni angefragt, Otto, den Leiter des Quartierzentrums. Bald war fast alles organisiert, damit du doch noch teilnehmen konntest. So warst du. Offen. Zugewandt. Machen, tun, organisieren. Deine Haltung: Es geht irgendwie immer.
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