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Kurzgeschichten > Familie
Es bleiben nur Erinnerungen.
Fragen kann man niemanden mehr. Das ist vielleicht das Härteste. Nicht der Tod allein. Sondern dass die Fragen nun ins Leere laufen. Man kann nicht mehr anrufen. Nicht mehr schnell vorbeigehen. Nicht mehr sagen: «Du, wie isch das gsy?» Man hat immer gemeint, es gebe noch ein nächstes Mal, ein letztes Mal. Wann das letzte ist, weiss man im Voraus nicht. Vielleicht noch einmal besuchen. Vielleicht noch einmal telefonieren. Doch dann lässt man es sein, oder man verschiebt es. Man denkt, man habe immer noch etwas Zeit.
Und dann plötzlich ist sie vorüber.
Man ist selbst erstaunt, wie schnell die Zeit vergangen ist. Wo sind sie bloss geblieben, all diese Jahrzehnte?
Du triffst nun drüben deine Lieben. Auch solche, die ich nicht mehr kannte, die vorverstorben sind. Viele liebe Grüsse an meine Eltern. Sag ihnen, ich denke an sie. Sag ihnen, es sei hier unten noch alles wie immer und doch ganz anders. Sag ihnen, man werde selbst älter und merke es erst, wenn wieder jemand gegangen ist.
Ich komme nach, irgendwann.
Es ist Fakt. Der nächste oder übernächste in der Ahnengalerie bin wohl ich. Das ist der Lauf der Natur. Einer nach dem andern. Eine nach der andern. Und irgendwann ist man selbst dran. Dann wird jemand anderes vielleicht eine Wolldecke in die Hand nehmen oder vor einem Möbelstück stehen und nicht wissen, wohin mit all dem, was daran hängt, Erinnerungen. Omi, du bist nun nicht mehr.
Nur noch Erinnerung.
Aber was heisst nur.
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