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Kurzgeschichten > Familie
Waldmeister und Lungenkraut suche ich vergebens; vielleicht ist deren Zeit schon vorbei, so wie es deine auch ist.
Mein Weg führt mich weiter auf den Feldweg, vorbei am Bahnbord. Letzte Woche hatte ich an einem solchen, ganz gewöhnlichen Bahnbord einen Feld-, Wald- und Wiesenblumenstrauss gesammelt. Wie damals als Kind. Es hätte Tage gegeben, da hättest du von mir bis zu zehn Sträusschen liebevoll in Vasen, Väschen und Schnapsgläschen gestellt gehabt. Manche waren so klein, dass einfach ein paar Blümchen zusammen Sträusschen spielten.
Am besagten Bahnbord wachsen Esparsetten, Nelken, Ackerwitwenblumen und Salbei, Klatschnelken, Sauerampfer wie auch Wicken. Vom Wiesenlabkraut nehme ich nur ganz wenig – du sagtest immer, das sei ein Kopfwehkraut, weil es so stark rieche. Auch diesmal finde ich Wiesensalbei, Margeriten, Habichts- und Labkraut. Weiter dem Rapsfeld entlang, das bienenbesucht summt, begrüssen mich an der Ackerkrume Stiefmütterchen, Vergissmeinnicht, Gänseblümchen und Taubnessel. Ganz unscheinbar daneben versteckt sich die Futterwicke mit ihren pinken Blüten. Sie hält sich mit ihren Ranken am umgebenden glänzenden, dunkelgrünen Gras fest. Ganz am Ende des Weges begegnet mir der Doldenmilchstern, eine wilde Lilie, als Krönung des Spazierganges.
Anderthalb Stunden beschäftigt mich dieser Weg. Eigentlich könnte man die Strecke auch in rund einer halben Stunde abmarschieren. Ich aber will entdecken und riechen, staunen wie damals als Kind, als ich dir fast täglich Wiesensträusschen nach Hause brachte. Die Blumen, denen ich auf diesem Pilgerweg begegne, habe ich gesammelt und nun ins Wasser gestellt, wie damals.
Du fehlst. Daheim, an der Wiese bei den Kräutern und Blumen, beim gemeinsamen Kochen, das nunmehr einsam ist.
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