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Die sieben Ventilatoren oder das Readymade
von Marc P Sahli >>
Ich musste ein Foto machen. Da stehen sie. Sieben Ventilatoren, sauber aufgereiht entlang der weissen Bürowand, als hätten sie eine Wartenummer gezogen. Es fehlt eigentlich nur noch ein Zeitschriftenständer mit Ausgaben vom letzten Jahr und eine Anzeigetafel, die gelegentlich die nächste Nummer piepst.
Der Sommer ist vorbei, endlich September. Die Tage, an denen das Hirn bereits um zehn Uhr morgens über Betriebstemperatur gebracht wurde, sind Geschichte. Die Büros sind wieder kühl genug, um vernünftige Gedanken zu fassen, und die Abteilung Bau und Liegenschaften hat sie eingesammelt; Auftrag erfüllt.
«Das war's also», sagt der grösste Ventilator und blickt mit unbeweglichen Rotorblättern in den Gang.
«Für dieses Jahr», korrigiert ihn sein Nachbar, «dramatisiere nicht.»
«Ich dramatisiere nie. Ich stelle fest. Wir wurden aussortiert.»
«Nicht aussortiert. Eingelagert.»
«Das ist dasselbe mit einem anderen Etikett.»
Sie schweigen einen Moment und beobachten das geschäftige Treiben im Büro. Menschen laufen vorbei, telefonieren, tragen Ordner, diskutieren Termine. Niemand schenkt ihnen Beachtung. Vor wenigen Wochen waren sie noch der Mittelpunkt. Kaum setzte sich jemand an den Arbeitsplatz, wurde als Erstes geprüft, ob der Ventilator noch lief. Heute sieht man durch sie hindurch.
«Vielleicht kommen wir in den Keller.»
«Vielleicht.»
«Ist der Keller dunkel und kühl?»
«Du bist ein Ventilator. Weshalb interessiert dich das?»
«Aus Prinzip.»
Der kleinste in der Reihe räuspert sich. «Ich glaube, wir sind gar keine Ventilatoren mehr.»
Sechs Köpfe drehen sich langsam und steif zu ihm.
«Wir sind Kunst.»
Gelächter. |
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