| Kurzgeschichten > Krimi |
 |
|
Chiara bekommt ein Unbehagen. Sie kann nicht mitansehen, wie ihre grosse Schwester gepiesackt wird. Ihr Hirn rattert. Sie braucht etwas, um die Fesseln aufzuschneiden. Und hinterher, so denkt sie, würden sie den doofen Kerl mit Schimpf und Schande aus dem Haus prügeln.
Chiara huscht in die Küche. Bewusst bleibt sie im Halbdunkeln und begnügt sich vom Licht aus dem Flur, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Sie streicht sich eine Haarsträhne hinters Ohr, damit sie ordentlich was sieht. Hektisch wühlt Chiara in den Schubladen. Endlich hat sie was Brauchbares gefunden. Stolz wie der edle Ritter sein Schwert, hält sie ihre Waffe in die Höhe. Mit dem Brotmesser sollte es zu schaffen sein. Möglicherweise ist das Seil bereits mit dem ersten Schnitt durchtrennt, so scharf wie die Schneidkante ist.
«Gib zu, dass du mir einen Riesenschrecken einjagen wolltest, mit deiner dummen Knallerei!», tritt der Nikolaus weiter nach.
«Du erschreckst eher mich, mit deinem Gebrüll!», kontert Eden. Sie bricht den Augenkontakt ab und denkt über die Situation nach.
Wozu eine Entschuldigung abgeben, Sie wusste von nichts und ihre kleine Schwester kann sie, diesem Spinner im Nikolauskostüm, nicht verraten. Der scheint bekloppt zu sein. Ihm traut sie so manches zu, auch dass er sie beide in den Wald verschleppen würde.
Der alte Mann greift an Edens Zehenpartie. Ihre Socken reichen heute bis zu den Knien. Dementsprechend benötigt er zwei Anläufe, um sie gänzlich von den Füssen zu ziehen. An nackter Haut kitzelt es sich eben am Besten. Eden lacht und zuckt, als die Finger über ihre Sohlen Tanzen.
«Ha, ha. Nicht die Füsse. Das ist gemein.» |
 |
| zurück |
Seite
von 8 |
|
 |
| Kommentare (0) |
|