| Kurzgeschichten > Krimi |
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Chiara zieht Stiefel und Jacke an und nimmt Selbiges für ihre Schwester mit, die Zweitjacke über der Schulter hängend und die Stiefel in einer Tüte verstaut.
Chiara schleicht dem Nikolaus heimlich hinterher, auf allen vieren krabbelnd.
Chiara sieht, wie der rot bemantelte Kerl, den Sack auf seinem Esel festzurrt und die Gürtelschlaufe einfädelt. So stark wie bei seiner Vorstellung mit den ganzen Fressalien ist der Nikolaus gar nicht. Er lässt den Esel seine Last abnehmen.
Sehr gut. Dann wird der Nikolaus nicht spüren, wenn Chiara ihre Schwester befreit.
Chiara folgt dem Nikolaus in sicherem Abstand.
Als dieser in den Wald eintritt, kriegt Chiara von den hohen Büschen reichlich Deckung geboten und getraut sich dem Esel aufzuschliessen.
Mit einem gezielten Schnitt, durchtrennt das Messer den Gurt. Der Sack gleitet zu Boden. Der weiche Schnee dämpft dessen Aufprall.
Chiara packt den zappelnden Sack und zieht ihn hastig in die Büsche.
«Scht. Ich bin's, Chiara. Beruhige dich.» Mit schnellen Schnitten öffnet sie den Sack, und Eden, rot im Gesicht und voller Erleichterung, kommt zum Vorschein. Chiara entfernt die Socke vom Mund und hilft ihrer Schwester auf die Beine.
„Lauf!“, flüsterte sie, und die beiden Mädchen rennen, so schnell sie können, nach Hause zurück.
Zuhause angekommen, nimmt Eden ein warmes Fussbad vor dem Kamin, welches ihre Schwester extra für sie bereitgestellt hat. Sie besinnen sie sich, dem Nikolaus nächstes Jahr keinen Grund mehr zu geben, sie zu bestrafen – zumindest, solange er in der Nähe sei. |
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