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Kurzgeschichten > Wahre Geschichten

Tschou zäme - iu'tsche ime'ze

von Marc P Sahli >>

Im RBS-Zug S8 von Bern nach Moosseedorf sitze ich am späteren Abend in Fahrtrichtung.

Es ist etwa zehn Uhr. Ein heisser Tag, der nicht abkühlt. Die Hitze hängt in den Kleidern, in den Haaren, im Polster. Im Wagen riecht es nach Schweiss, nach zu vielen Menschen, die zu lange auf den Beinen waren. Ich bin müde, müde vom Einsatz auf der Münsterpläfe. Stadtfest Bern. Viele Besucher, viele Fragen, viele Gesichter an unserem Stand vom Matteänglisch-Club. Man erklärt, lacht, steht, sagt noch einmal dasselbe und dann noch einmal, weil es ja schön ist, wenn sich jemand interessiert. Flyer verteilen, und Bleistifte nach dem Wortspiel-Raten; aber irgendwann sind die Beine schwer bei dieser Hitze.

Ich bin nicht mehr zwanzig. Das merke ich. In den Knien. In den Füssen. Im Rücken.
An meiner Brust trage ich noch immer den Button: «Iu'tsche ime'ze - matteaenglisch.ch»
Ein kleiner runder Beweis dafür, dass ich heute etwas gemacht habe, das mir wichtig ist. Ein Stück Matte, ein Stück Bern, ein Stück alte Sprache, das noch nicht ganz in der Aare verschwunden ist, eine Geheimsprache, die wir als Kulturgut lebendig erhalten wollen.
Der Zug ist voll, Menschen sitzen da mit ihren müden Gesichtern, wie ausgelaufene Kerzen. Keiner will noch Lärm. Keiner will noch ein Erlebnis. Dann kommt der Lärm. Dem Partysound aus einem iPhone folgt ein Stimmengewirr; ein Lachen, dieses überdrehte Lachen, das nach Bier klingt und nach: Wir sind noch lange nicht fertig. Ich seufze. Eine Gruppe Junger kommt in den Wagen. Und was für welche.
Queer, offensichtlich. Schwul, lesbisch, Männchen, Weibchen? Keine Ahnung. Ah ja, denke ich, es ist ja Pride in Zürich. Natürlich. Das erklärt den Glitzer, die Nägel, das Parfüm, den Lärm, das Bier, die Partymusik. Nznznznz
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