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Kurzgeschichten > Wahre Geschichten
Sie pflätschen sich ins Viererabteil neben mir, als hätte jemand einen Sack Konfetti ausgeschüttet. Ich schaue hin. Und ich erwische mich selbst beim Hinsehen. Und schon im Hinschauen merke ich, dass mir peinlich ist, wie ich hinsehe.

Eine vermutliche Kampflesbe im Muskel-T-shirt hängt im Arm einer billig angezogenen Transe im viel zu kurzen Glitzerkleidchen und Bart. Daneben ein superdünnes Buebli mit Mascara, angemalten Nägeln und roten Lippen. Und daneben ein Bär, wohl der älteste der Truppe, dick, Bart, ein Karohemd, das eine Nummer zu eng ist. Meine Güte, meine Fresse. Ich denke: Haben wir vor Jahrzehnten auch so ausgesehen? Oder ist das einfach ein Generationending?

Diese geschlechtsunsicheren Schneeflöckchen. Queer. LGBTIQA+. Habe ich einen Buchstaben vergessen? Wahrscheinlich…und ist dann schon fast ein Täter. Ein alter, weisser Mann.

Und dann denke ich auch noch: Zudem hatten wir damals den besseren Sound. Und wenn wir die Leute um uns herum gestört haben, dann wenigstens mit Musik, die noch Bass hatte. VIEL Bass. Nicht dieses iPhone-Geschepper. Nicht dieses dünne Partygeplärre. Wir hatten noch richtige Ghetto-Blaster. Diese Weichschnäbeler heute. Ich werde wohl alt.
Der Zug fährt. Der Wagen schwitzt. Die Leute schweigen vor sich hin. Die Truppe trinkt Bier und lacht und redet durcheinander. Parfüm legt sich über den Schweiss, Bier darüber. Ich schaue wieder aus dem Fenster, aber im Fenster sehe ich sie trotzdem, und mich auch. Nznznznznznznz.

Ein alternder Mann mit schwerem Körper, müdem Blick und einem Button auf der Brust, auf dem kaum jemand versteht, was steht. In Moosseedorf stehe ich auf. Endlich bin ich diese Pride-Truppe los, denke ich.
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