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Kurzgeschichten > Wahre Geschichten
Die Armaturen funktionierten weitgehend nicht mehr. Die Tankanzeige stand immer auf null und der Tacho wackelte zwischen zwanzig und achtzig Kmh, ziemlich unabhängig davon, wie schnell wir tatsächlich fuhren. Und Harutyun fuhr schnell, oder sagen wir: sportlich. Sehr sportlich sogar, wenn man den Zustand seines Ladas berücksichtigte, bei dem man jederzeit damit rechnen konnte, dass sich irgendein Teil verabschieden könnte.
Am Rand des Roten Platzes setzte Harutyun noch einen drauf. In voller Fahrt montierte er ein Blaulicht auf dem Dach, wohl um sein Fahrverhalten zu legalisieren. Warum auch nicht.
Aus dem Radio kam Musik, Harutyun wechselte die Spur, fluchte «Suka blyad!», dann wieder «Idi na khuy!» zu einem anderen Verkehrsteilnehmer, und vor mir wackelte der Tacho weiterhin zwischen zwanzig und achtzig. Vor dem Aussteigen erklärte Harutyukn mir mit Händen, Worten und Gesten noch eine technische Besonderheit seines Ladas. Die Tür auf meiner Seite liess sich von innen nicht öffnen. Wenn ich aussteigen wolle, müsse ich die Scheibe runterkurbeln, den Arm rausstrecken und die Tür mit dem äusseren Griff öffnen. Gut zu wissen.

Es ist lange her. Aventyan und Harutyun habe ich beide nur dieses eine Mal 2014 getroffen, während ein paar Kilometern durch Moskau. Danach sah ich sie nie wieder, trotzdem sind sie mir im Gedächtnis hängengeblieben. Wohl weil man in diesen schwarzen Taxis manchmal mehr über das Leben dort erfuhr als anderswo. Und nebenbei Russisch lernte.
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