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Kurzgeschichten > Menschen
Zum anderen Teil wohl auch etwas wie Naivität, die Naivität, ich würde meine Eltern ewig haben und könnte nach Belieben über sie verfügen. Wenn ich das Anrufversprechen immer und immer wieder vor mir hergeschoben hatte, dann stand wohl auch das blinde Vertrauen dahinter, dass ich sie demnächst besuchte, man sich wieder in die Arme schlösse. Auch könnte man sich eine Strichliliste vorstellen mit einer gegebenen Zahl und wenn die Zeitspanne zwischen den einzelnen möglichst lang war, desto länger würden wir uns noch haben. Ach, es war nicht nötig, sie häufiger anzurufen, sie waren ja immer da. Der Tag der Ferienheimkehr nahte, oder auch nicht. Und jeder Aufschub, die Ferien in der Schweiz bei den Eltern verbringen zu wollen, ein Trugbild eines baldmöglichsten Wiedersehens, liess in Wahrheit die Kluft zwischen uns grösser werden.
Und unversehens fand ich mich schneller als gedacht, zurück in der Schweiz und die Eltern starben früher als erwartet. Vielleicht hatte es so sein müssen. Ich war überzeugt davon, die verpasste Zeit irgendwie nachholen zu können. Auch hatte ich die Illusion, dass alles wäre wie früher, alles unverändert vorfinden würde, so wie mein Kinderzimmer. Aber ein Anknüpfen ist offensichtlich illusorisch. Ein Trugschluss. Nachholen kann man nichts. Die Zeit, das Kontinuum läuft und läuft unerbittlich. Wir alle werden älter. Die einzige Gerechtigkeit der Welt. Die Rückkehr, ein beliebtes Theater- und Romanmotiv. Bei mir wohl eher ‘die Rückkehr des verlorenen Sohnes’ nach Lukas-Evangelium. Die Welt, die ich verliess, das Bern der 70-er bis in die 90-er Jahre war verschwunden.
Nun betrachte ich die Ruinen. Die Welt, die man kennt, verschwindet, sobald man ihr den Rücken kehrt.
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